Auf dieser Seite sind kurze Definitionen und Beschreibungen, Grafiken und Übungen, aber auch ein Video und Literaturhinweise kompakt für Theorie und Praxis zusammengestellt worden.
Material
Intersektionalität
Intersektionalität beschreibt das Zusammenspiel verschiedener Diskriminierungsformen, die zu unterschiedlichen Ungleichheitserfahrungen führen. Neben geschlechtlicher und rassistischer Diskriminierung spielen unter anderem auch Klasse, Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, Alter und Staatsangehörigkeit eine Rolle. Durch das Konzept der Intersektionalität wird die Rolle und Funktion verschiedener Machtstrukturen deutlich. Dadurch wird sichtbar, welche konkreten Auswirkungen Privilegien und Diskriminierungen auf unterschiedliche Gruppen und Individuen haben.
Der Begriff „Intersektionalität“ (englisch: Intersectionality) geht auf das englische Wort „intersection“ (Deutsch: Kreuzung oder Schnittpunkt) zurück. Er wurde ursprünglich von der Schwarzen feministischen Wissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw eingeführt, um die spezifischen Diskriminierungserfahrungen afroamerikanischer Frauen zu beschreiben, die sowohl aufgrund ihrer Hautfarbe als auch aufgrund ihres Geschlechts ausgegrenzt werden. Das Wort kam damals zum ersten Mal auf, doch die Idee ging in Schwarzen feministischen Räumen bereits vor Crenshaw um, zum Beispiele im Combahee River Collective.
Klassismus
Klassismus bezeichnet die Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund der sozialen Herkunft bzw. der sozialen und ökonomischen Position. Betroffen sind meist Personen, die einer als „niedriger“ eingestuften sozialen Klasse zugeordnet werden. Bei der Zuordnung spielen neben ökonomischen Voraussetzungen wie Einkommen und Vermögen, auch Bildungsabschlüsse, das soziale Umfeld sowie Verhaltensweisen, Sprache, Wohnort und weitere Marker eine Rolle. In der Regel betrifft Klassismus erwerbs- oder wohnungslose Menschen sowie Arbeiter*innen. Diesen werden häufig negative Merkmale zugeschrieben. Etwa, dass sie faul, ungebildet oder kriminell seien (vgl. Seeck 2020: 17f.; Knop & Macioszek 2022: 9).
„Klassismus hat konkrete Auswirkungen auf die Lebenserwartung und begrenzt den Zugang zu Wohnraum, Bildungsabschlüssen, Gesundheitsversorgung, Macht, Teilhabe, Anerkennung und Geld“ (Seeck 2020: 17). Mehr bei FUMA.
Geht da noch was? Thema Klasse
Das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung „fluter“ greift das Thema Klassismus aus unterschiedlichen Perspektiven auf und führt in die Verstrickungen von Milieu, Schicht, Klasse – den damit verbundenen Streit um soziale Ordnungen - auf jugendgemässe Weise ein.
Klassismus entgegenwirken – Teilhabe aller jungen Menschen stärken!
Im Positionspapier des Deutschen Bundesjugendrings wir Klassismus mit seinen Folgen für junge Menschen beschrieben und werden politische und praktische Forderungen aufgestellt.
Klassismus im Kontext Schule begegnen
Das Themendossier arbeitet Klassismus für die Konsequenzen in der Schule auf. Es vermittelt Grundlagenwissen, Zahlen und Fakten, reflektiert über Macht und Privilegien, gibt Anregungen Bildungsräume klassismussensibel zu gestalten. Komplettiert wird das Dossier von einem Glossar und Medienempfehlungen zur praktischen Arbeit (Podcast, Filme, Kinderbücher…)
Klassismus in der Arbeitswelt
Anhand eines Plakates entwickelt die Arbeitshilfe ein Verständnis von Klassismus und seine verschiedenen Ebenen (strukturell, kulturell und individuell). Jugendliche lernen mit der Arbeitshilfe Wissen mit eigenen Erfahrungen in Zusammenhang zu bringen und werden angeregt, sich mit ihrer eigenen Positionierung in klassistischen Verhältnissen zu beschäftigen.
Themenheft Klassismus
Das Heft der „Schule ohne Rassismus“ führt in die Diskriminierungsform Klassismus ein. Die Autor*innen zeigen, was Klassismus ist, wie er eine gerechtere Gesellschaft verhindert und was sich gegen Klassismus tun lässt.
Projekt: Vielfalt geht
Seifenkisten-Projekt mit dem Mädels-Treff - Mädchenarbeit in der Nürtinger Jugendwerkstatt
„Ich dachte das wird voll langweilig, ich dachte wir machen gar nichts selber, aber wir konnten alles machen“! - Ein kleiner Bericht aus dem Seifenkisten-Projekt mit einem Mädels-Treff - Mädchenarbeit in der Nürtinger Jugendwerkstatt
Im Rahmen unserer offenen Werkstatt konnten wir mit Mädels aus einem katholischen Mädchentreff ein spannendes und kreatives Technikprojekt starten: den Bau einer eigenen Seifenkiste! Ziel war es, handwerkliches Geschick zu fördern, Teamarbeit zu stärken und uns in traditionell männerdominierten Bereichen wie Metallbearbeitung und Fahrzeugbau auszuprobieren – und das mit viel Spaß und Power!
Gemeinsam haben wir Skizzen entworfen, Materialien ausgewählt und uns dann an die Umsetzung gemacht. Mit Schutzbrillen, Handschuhen und jeder Menge Motivation haben wir Metallteile geflext, geschweißt und montiert. Dabei haben wir nicht nur den sicheren Umgang mit Werkzeugen wie Winkelschleifer und Schweißgerät gelernt, sondern auch erlebt, wie aus einem alten Kettcar-Gestell ein neues Gefährt entsteht.
Neben der technischen Arbeit haben wir auch Wert auf Kreativität gelegt -die Seifenkiste wurde individuell gestaltet und verziert. Natürlich konnte sich vorher niemand vorstellen, was es werden soll, und die Gestaltungsideen entwickelten sich mit dem Tun. Und vor lauter Begeisterung wurden in der Siebdruckwerkstatt dann noch passende Pullis bedruckt. Am Ende stand das große Highlight: die Seifenkistenabfahrt in der Nürtinger Innenstadt mit der Wilden pinken Maus!
Das Projekt war nicht nur ein voller Erfolg, sondern hat auch gezeigt, dass Technik keine Frage des Geschlechts ist. Wir haben geschraubt, gelacht, geschwitzt – und vor allem ganz viel gelernt!
Rassismuskritik
Rassismuskritik geht von der Annahme aus, dass Rassismus eine gesellschaftliche Normalität darstellt, insofern alle Menschen durch rassistische Kategorisierungen, Zuschreibungen und Diskriminierungen in unserer Gesellschaft positioniert werden. Ein Handeln ist also nur innerhalb dieser Verhältnisse möglich. Daher kann Rassismus nur in ihrem Rahmen bekämpft, Zugehörigkeitsordnungen können verschoben und rassistische Diskriminierungen abgebaut werden. Dabei ist die Positionierung der Akteur*innen zu berücksichtigen, um nicht erneut rassistische Strukturen der Über- und Unterordnung zu stützen. Rassismuskritik ist eine (selbst)reflexive, theoriegebundene, widersprüchliche und prinzipiell nicht abschließbare Praxis. (aus dem Fundus des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e.V. (IDA)
Hier findet Ihr auch ein Glossar, in dem u.a. das Phänomen des Rassismus beschrieben wird: Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, hierarchisierend bewertet und ausgegrenzt werden. Mehr bei IDA e.V. und im IDA Glossar.
Bausteine für eine "rassismuskritische Schule“ Bildungsmaterialien für Fachkräfte.
Die Arbeitshilfe "Bausteine für eine rassismuskritische Schule" richtet sich an Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen. Dabei beinhaltet sie eine Übung, die mit einer Gruppe von Multiplikator*innen, idealerweise von derselben Schule, durchgeführt werden kann. In dieser Übung gibt es Reflexionsfragen, damit die Teilnehmenden ihre Schule hinsichtlich Rassismus, Diskriminierung und Empowerment reflektieren können. Darauf aufbauend soll die Schule als Ort verstanden werden, an dem Prävention gegen Rassismus stattfindet.
Postkolonial Erinnern. Unterrichtsmodul für die Sekundarstufe I.
Das Modul erinnert an den deutschen Kolonialismus und setzt sich rassismuskritisch mit der deutschen Kolonialherrschaft auseinander. Es gibt Einblicke in die deutsche Kolonialherrschaft und thematisiert anhand von Denkmälern, Schul-büchern, Straßenbenennungen und Afrikabildern Formen der Erinnerung. Ziel der beiden Autorinnen, Josephine Apraku und Dr. Jule Bönkost ist es, die Schüler*innen zu einer machtkritischen Auseinandersetzung mit Kolonialismus anzuregen. Sie lernen verschiedene Standpunkte im Diskurs um Erinnerung und Gedenken an die deutsche Kolonialzeit kennen und lernen, dass Erinnerungsdiskurse nicht neutral sind, sondern kontrovers verhandelt werden.